Motoren. Verstärker. Jeansjacken. Stromgitarren. Längst stehen die Zeichen auf Sturm und schon lange ist die skandinavische Hegemonie in Sachen Punk'n'Roll nicht mehr unantastbar. Zu sicher sind sich die Nordmänner ihrer bisherigen Vormachtstellung im Spreizbein-Rock gewesen. Tauchten am Anfang wie die Armeen Saurons auf, um die Lande mit Schweiß, Krach und Adrenalin zu überziehen. Doch anstatt voneinander zu lernen, gehen ihnen nunmehr nach und nach im Rudel die Puste und die Ideen aus. Wie die Lemminge. Und so macht Amerika wieder Boden gut. Auch Australien und Neuseeland geben Gas. Und in den Garagen Resteuropas putzt man sich und die Backline ebenso raus. So auch in Berlin. Besonders dort, und nicht erst seit gestern. Vollgas-Gitarren mit einer weiblichen Stimme, die den Boybands mit Zungenschlag die Butter vom Brot klaut, um beim Weggehen nochmal ordentlich zuzupacken. Da, wo's empfindlich wird. Das sorgt für Endorphine in Herz und Hirn. Mit dem Besten, was die Plattensammlung zwischen Manowar und Misfits, zwischen Motörhead und Joan Jett hergibt. Zwei Finger in die Luft und ab dafür. Raus aus dem Keller, rauf auf den Rock'n'Roll-Highway. Gespickt mit Buttons, Tattoos, Nieten und Aufnähern, dazu hier und da Leopardenfell. Die Striche auf den Lautstärkereglern der Verstärker liegen meist weit über dem, was kleine Clubs vertragen können. Doch wie will man sich sonst in kleinen Proberäumen verständigen...?
Mit 'Burner' brachten man 1998 eine titeltechnisch bereits allessagende Single an den Start, die endlich auch in Deutschland die Motoren aufheulen ließ. Danach folgten neben Sampler-Beiträgen (auch in Italien, England, den Niederlanden und sogar in Russland) etliche Tourneen durch Deutschland, Spanien, Frankreich, Österreich, der Tschechei und durch die Schweiz (u.a. mit den "Dover" aus Madrid und mit den schwedischen "Peepshows") und letzten Sommer fand man sich dann auf dem Bizarre-Festival wieder. Über die Bande holte man sich in 2002 gleich zweimal befreundete Bands aus Spanien, good old Germany und den USA auf die selbstiniziierte, deutschlandweite und alles verschlingende 'Trans Gender Rocks'-Tour. Zwei volle Erfolge, samt schicker, limitierter Tour-10'' Picture Discs.
Nun kommt also bald die ersehnte Langrille, die genau diese Geschichten vom Kilometerfressen auf der Autobahn, von schweißtriefenden Clubs und vielen Konzerten, von Freundschaften, Liebe und Leid weitererzählt. Alles mit fliegenden Gitarren, 'Yeah'-Chören und einer agressiven wie bezaubernden Frauenstimme. Die neuen Songs sind nicht nur im bandeigenen Kontext die bis dato wohl harmonischste Verknüpfung aus Motor-Rrrrrrrock und Melodie, aus Live-Energie und Songwriting, auch international fahren SHE-MALE TROUBLE damit einen ganz schön flotten Flitzer.
Erste Single aus dem Album war das arschtretende wie mitreißende 'Dont Tell Me What To Do', ein äußerst repräsentativer Ausblick auf die volle Länge. Die R'n'R-Kirche ließ man bei den Aufnahmen zu dieser Single schön im Kiez (denn am längsten sind die Nächte doch immer noch in Kreuzberg, wie wir alle zu schätzen wissen): die ersten Playbacks wurden von Stefan Linde im Sommer 2001 im K4 Studio aufgenommen, des Gesanges nahm sich im Herbst 2002 u.a. Moses Schneider im Transporterraum an. Unter der Regie von Torsten Otto ging es dann im Mamas Weed Studio weiter, und selbst im Proberaum als auch im eigenen Schlafzimmer wurde noch so einiges "recorded", so daß Andi Jung leichtes Spiel beim Mixen (K4 Studio) und Mastern (Kennel) hatte.
Text: Steven Gläser