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23.03.05
Woodstock-Legende lebt auf

Von Doris Steinkraus (MOZ)

Bis 2004 war "Haltestelle Woodstock" hierzulande fast unbekannt. Erst mit der Festival-Station Kostrzyn wurden auch deutsche Musikfans aufmerksam. Schon jetzt ist es das größte Rock-Event Europas. Was die Organisatoren um Jurek Owsiak jedoch besonders auszeichnet, ist der caritative Aspekt. Seit 13 Jahren sammeln Jugendliche in Polen Geld für Kinderkrankenhäuser. Das Festival ist ein Dankeschön an sie. Der Gedanke des Spektakels soll jetzt auch über die Grenze schwappen. Im FRIZZ Seelow gibt es seit gestern eine Medienstelle "Haltestelle Woodstock"

Woodstock, das hört sich sehr groß, sehr gigantisch, sehr ausgefallen an. Dass sich die Organisatoren des Festivals "Haltestelle Woodstock" nicht ganz unberechtigt den legendären Namen ausgeborgt haben, zeigt ein Blick in die Erfolgs-Geschichte. "Solch eine Aktion kann uns Deutschen viel vermitteln", formulierte es Jens Lawrenz, Leiter des FRIZZ, in der gestrigen Pressekonferenz.

Junge Menschen sind jedes Jahr im Januar in ganz Polen unterwegs, um Geld für kranke Kinder zu sammeln. Die Stiftung Wielka Orkiestra Swiatecznej Pomocy (Großes Orchester zur Festtagshilfe) kauft dafür Geräte, unterstützt Erste-Hilfe-Aktionen und ermöglicht die Versorgung von schwer kranken Kindern im heimischen Umfeld. Als kleine Gegenleistung gibt es dafür das Musikfestival. Eine tolle Sache, fanden die Akteure nicht nur der Messe Frankfurt (Oder), wo sich Jurek Owsiak 2004 erstmals mit seinem ungewöhnlichen Projekt präsentierte.

Auch die Seelower Kindervereinigung unterstützte von Anfang an das Vorhaben und übernahm für 2005 die Aufgabe der Medienstelle. Marco Riemer, vielen in der Region als Organisator des jährlichen OBOA-Konzerts bekannt, hat am 7. März seine Arbeit aufgenommen und konnte gestern erste Ergebnisse präsentieren, u.a. den Internetauftritt unter www.haltestelle-woodstock.de.

"Wir sind stolz, dass wir mit Jurek Owsiak jemanden in unserer Stadt haben, der in Polen nach dem Papst der bekannteste Mann ist", sagte Seelows Bürgermeister Udo Schulz. Es sei erstaunlich, dass dieses Festival in Deutschland bisher so wenig populär war. Er denke jedoch, dass sich das 2005 ändern werde. Jurek Owsiak berichtete, dass nicht nur in Polen selbst, sondern in der ganzen Welt von Polen Geld für die Stiftung gesammelt werde. Das gefalle leider nicht allen im Land, denn die Stiftung arbeite partei- und staatsunabhängig. Hier erhalte niemand Gelegenheit, sich mit Erfolgen zu präsentieren.

2004 wurden binnen weniger Tage auf einem ehemaligen Militärgelände 400 Toiletten, 80 Telefonzellen, Bankautomaten, eine riesige Bühne und diverse Versorgungsstände errichtet. Ähnlich wird es 2005 ablaufen. Rund 2000 Helfer sorgen für Ordnung beim Festival, bei dem hochprozentiger Alkohol sowie Drogen strikt verboten sind und wo die Polizei im Hintergrund jederzeit bereit steht. Schon 2004 waren DRK, Polizei und andere Helfer aus Deutschland eingebunden. Bei seinem Besuch in Seelow machte Jurek Owsiak mit seinem Team im Lutherstift-Krankenhaus und im DRK Station. Man will im August eng zusammen arbeiten. Auch Polizei und BGS bereiten sich vor.

"Es wird der sicherste Ort in Polen sein", warb Owsiak. Er verwies auf seine T-Shirt-Aufschrift, die für ihn Maxime sei: "Kein Krieg". Darin schließe er auch den verbalen Krieg von Menschen untereinander ein. "Haltestelle Woodstock" soll ein Festival der Begegnung auch zwischen jungen Deutschen und Polen sein. Man könne ein vereintes Europa nicht nur mit Gesetzen und Vorschriften auf den Weg bringen. Am wichtigsten seien die Begegnungen.

"Dieses Miteinander ist auch Folge einer jahrelangen guten Städtepartnerschaft zwischen Seelow und Kostrzyn", resümierte Jens Lawrenz. Die Präsenz beider Bürgermeister unterstrich, dass die Verwaltungen das ehrgeizige Vorhaben mit tragen. Was angesichts der zu erwartenden Menschenmassen schon einigen Mut verlange, bekannte Owsiak. "Wir haben das Festival 2004 erlebt und wissen, was wir zu tun haben. Wir werden das Unsere zum Gelingen leisten", versicherte Kostrzyns Bürgermeister Dr. Andrzej Kunt.


Jurek Owsiak in der Seelower MOZ-Redaktion


Pressekonferenz am 22.03.05 im Kulturhaus-Seelow


Jurek Owsiak im neuen Seelower Medienbüro "Haltestelle Woodstock"

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